Flurkarte eines Immobiliengrundstücks

Eine Liegenschaftskarte, die zuvor Flurkarte genannt wurde, enthält alle amtlich erhobenen Daten eines Grundstücks. Sie umfasst die sogenannten Grundstückskenndaten, welche alle vom Liegenschaftskataster erhoben werden. Erfasst werden Lage, Bebauung, Flur- sowie Flurstücknummern von Grundstücken. Eine Flurkarte ist wichtig für das Bau- und Immobilienwesen und von besonderer Bedeutung bei Kauf- und Verkauf von Immobilien.

Bei der Bezeichnung „Flurkarte“ handelt es sich um eine rein deutsche Bezeichnung, was sie im Vergleich zu anderen Ländern so besonders macht. Die klassische Form der Flurkarte wurde mittlerweile durch die Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK) ersetzt. Diese existiert mittlerweile für ganz Deutschland.

Inhalt:

Was ist eine Flurkarte und was beinhaltet sie?

Die Flurkarte dient der Dokumentation der Lage von Grund und Boden. Sie geht zurück auf die ersten Katastervermessungen Anfang des 19. Jahrhunderts, als in Deutschland die Kartierung erster amtlicher Karten begann. Heute jedoch wurde die Flurkarte durch eine automatisierte Liegenschaftskarte ersetzt. Sie beinhaltet die maßstabsgenaue Darstellung sämtlicher Liegenschaften, Flurstücke und Grundstücke. Zum Nachweis für die Einfassung der Grundstücke dient das Grundbuch, welches ebenfalls für die Abwicklung von Immobiliengeschäften und im Bauwesen eine wichtige Grundlage bildet.

Dargestellt werden Flurstücke, Flure, Flurnummern, Grundstücke und Gebäude. Flurkarten werden jeweils in einem Maßstab zwischen 1 : 500 und 1 : 2000 erstellt und enthalten Flurnummer, Flurstückmarkierungen und ihre Grenzen. Eingezeichnet sind die Umgrenzungen der jeweiligen Gemarkungen der Gemeinden, ihre Nutzungsart und Nummern des dazugehörenden Gebäudes. Hinzu kommen Merkmale über die Nutzung des Bodens und Merkmale über die Bodenschätzung. Manche Flurkarten beinhalten auch Angaben über Grenz- und Vermessungspunkte, topografische Angaben und teilweise Angaben über Zäune, Mauern und Hecken.

Wie wird eine Flurkarte beantragt und wann ist sie notwendig?

Eine Liegenschaftskarte wird beispielsweise erforderlich, wenn Baumaßnahmen geplant sind, Grundstückskäufe oder -verkäufe abgewickelt werden sollen oder Steuern und Abgaben an öffentliche Stellen abgeführt werden sollen. Gerade beim Kauf von Immobilien wird ein Auszug aus der Flurkarte notwendig, da ein Notar deren Inhalte in einem Kaufvertrag zu beurkunden hat. Grundstückseigentümer benötigen ebenfalls eine Liegenschaftskarte, wenn sie eine Baugenehmigung beantragen wollen.

Da eine Flurkarte sämtliche grundlegenden Kenndaten einer Immobilie beinhaltet, zählt sie zu den wichtigsten Dokumenten für einen Hauskauf und sollte bereits im Vorfeld beantragt werden. Die Kosten für eine Flurkarte variieren nach Form- und Informationsgehalt des Auszuges.

Um eine Karte zu erhalten, muss beim zuständigen Liegenschaftskataster ein entsprechender Antrag gestellt werden. Die hier anfallenden Gebühren belaufen sich je nach Ausführung auf etwa 12,00 bis 50,00 Euro. Die Gebührenhöhe variiert zudem von Ort zu Ort. Auszüge aus einem Liegenschaftskataster, also Liegenschaftskarten einschließlich Beschreibungen der Liegenschaft, wie Gemarkungen, Flur, Flurstück und Eigentümer, können beliebig beantragt werden.

Liegenschaftskarten können grundsätzlich von jedem frei erworben werden. Allerdings werden Angaben über die Eigentümer nur bei berechtigtem Interesse zur Verfügung gestellt. Lediglich ein allgemeines Augenmerk am Kauf eines Grundstücks oder einer Immobilie reicht für die Bekanntgabe personenbezogener Daten nicht aus. Ein berechtigtes Interesse besteht bei Grundstückseigentümern, Erbbauberechtigten, konkreten Kaufabsichten oder nachbarrechtlichen Belangen. Der Antrag kann digital, per E-Mail oder mittels eines Onlineformulars gestellt werden. Hinzu kommt die Möglichkeit der postalischen Antragstellung oder der direkten Abholung beim Liegenschaftskataster.

Was beinhalten Flurstücke und Flurstücknummern?

Die Bezeichnung „Flur“ kommt aus dem mittelhochdeutschen „Vluor“, was Boden, Bodenfläche oder Feld bedeutet. Es handelt es sich um die kleinste vermessungstechnische Einheit. Die jeweiligen Flurstücke werden auch als Parzelle bezeichnet. Mehrere Flurstücke zusammen bilden Flure, wobei für jeden der Flure eine Flurkarte geführt wird. Alle zusammenhängenden Fluren des Gebietes einer Stadt oder Gemeinde bilden die Gemarkung, für die jeweils beim Katasteramt eine Gemarkungskarte existiert. Die vorgenommene Unterteilung in Gemarkungen, Flure und Flurstücke hilft, ein einzelnes Grundstück eindeutig zu identifizieren.

Jedes Grundstück besteht aus wenigstens einem Flurstück, das exakt amtlich vermessen und genau festgehalten wurde. Jede Parzelle beinhaltet ihre genaue Größe, ihre Lage und Nutzungsart. Die einzelne Parzelle ist immer inhaltlicher Bestandteil der Liegenschaftskarte, was bedeutet, dass jedes Grundstück mindestens aus einem Flurstück bestehen muss. Allerdings besteht ein Grundstück nicht zwangsläufig aus einem einzigen Flurstück. Es kann also auch aus mehreren Flurstücken bestehen, welche auf der Flurkarte jeweils dargestellt werden. Die jeweilige Parzelle gibt auf der Liegenschaftskarte einen exakt festgelegten Teil des Grundstücks an, die wiederum geometrisch festgelegt ist und amtlich vermessen wurde.

Flurstücke verstehen sich in Deutschland als die kleinste Buchungseinheit eines Liegenschaftskatasters. Jedes einzelne Stück enthält innerhalb der Gemarkung eines Ortes und innerhalb des Flurs eine dazugehörende Flurstücknummer.

Die jeweilige Flurnummer besteht aus Zahlen, Zahl- und Buchstabenkombinationen oder der Verbindung zweier Zahlen. Durch diese Angabe wird genau festgelegt, um welche Parzelle es sich handelt.

Ein Beispiel:
Grundbuch von: X-Stadt-Stadtteil Y
Gemarkung: Y
Flur: 11
Flurstück: 213
Lage: X-Straße 12
Grundstücksgröße: 617 Quadratmeter

Anhand dieser Angaben ist klar definiert, um welches Grundstück es sich handelt, sodass keine Verwechselungen auftreten können.

Weshalb ist eine Liegenschaftskarte beim Immobilienverkauf notwendig?

Die Liegenschaftskarte als amtliches Dokument ist für den Immobilienverkauf wichtig. Aus ihr ergeben sich Angaben über Bebauung des Gebietes sowie die genaue Lage des Grundstücks. Sie ist deshalb von Bedeutung, weil sie auch der Bewertung von Immobilien dient. Jeder, der sein Grundstück oder seine Immobilie verkaufen will, muss dessen Wert kennen. Der Wert ermittelt sich nicht nur aus Zustand und Ausstattung der Immobilie, sondern auch aus seiner Lage. Befindet sich die zu veräußernde Immobilie in einer guten Umgebung mit guter Infrastruktur, kann der Verkäufer für sie einen höheren Preis erzielen als für eine Immobilie, die sich in einer schlechten Lage befindet. Oftmals reicht auch schon die Position an einer Straße aus, um den Preis für den Verkauf anzuheben oder zu senken. Auch Kaufinteressenten können anhand der auf der Karte erkennbaren Lage sehen, ob sich in der Nähe des Grundstücks oder der Immobilie eine Zufahrtsstraße befindet. Sie können die Umgebung erkunden und Kriterien, wie Lage, Infrastruktur und Umgebung ermitteln.